Zugspitzen Überquerung

Zusammen mit David Weichenberger (Kris Holm Team), Jesper Andersen (unisalg.dk) und Stephanie Dietze (Team AJATA) ) hab ich mich an eine Zugspitzen Überquerung mit dem Einrad gewagt. Unseren Erfahrungsbericht könnt Ihr euch hier durchlesen:

Keine gute Vorbereitung für eine Zugspitzen Überquerung ist es am Vortag an einem Downhill Rennen teilzunehmen. Gute Platzierungen stärken zwar die Motivation, leider aber nicht die Beinmuskeln. Trotzdem brachen wir frühmorgens nach Leutasch auf, wo wir unser Auto wehmütig am Gaistalparkplatz zurückließen.

Die ersten 500 Höhenmeter bis zur Hohenfelder Alm waren recht angenehm auf einem breiten Radweg mit leichter Steigung zu fahren.


Für die beanschlagten viereinhalb Stunden Fußweg brauchten wir daher auch nur eineinhalb Stunden. Auf der Hütte angekommen nahmen wir das erste Mittagessen ein.

Die nächsten 500 Höhenmeter verliefen nicht mehr ganz so locker, ein Großteil der Strecke war nicht mehr fahrbar. Der Weg zum Gatterl ist landschaftlich herausragend, jedoch waren wir enttäuscht, dass wir erst einmal wieder geschätzte 200 Höhenmeter bergab fahren mussten.




Dies war schon zu viel für eine dänische Bremse. Jespers Bremse beschloss spontan zu reißen. Ab der deutsch-österreichischen Grenze wurde die Landschaft deutlich alpiner und selbst David schob sein geliebtes Rad weite Teile der Strecke.


Um 14 Uhr erreichten wir die auf 2000 Höhenmeter gelegene Knorrhuette.

Wir entschieden uns trotz des unfreundlichen Wirtes aber dank unserer erschöpften Beine die Tour erst am nächsten Tag fortzusetzen. Die sagenhafte Aussicht auf Felswände, die das gesamte Blickfeld ausfüllten, konnten wir nicht lange genießen, da wir auf der Wiese vor der Hütte in einen traumlosen Schlaf fielen.


Pünktlich zur Kojenvergabe wachten wir wieder auf. Jesper machte seinem Ruf als dänischer McGyver alle Ehre und reparierte seine Bremse mit Hilfe einer leeren Shampoo-Tube, einem Spritzaufsatz für Silikonflaschen und etwas Motor-Öl.

Kurz darauf legten wir uns noch im Hellen schlafen. Aus Gewichtgründen hatten wir nur die Kleidung dabei die wir am Leibe trugen. Lutz war der allerglücklichste von allen. Er hatte Jespers Radlerhose an, die dieser schon beim Downhill-Rennen im Salzkammergut mit seinem Schweiß getränkt hatte. Für sich selbst hatte Jesper übrigens eine frische Radlerhose zum Wechseln dabei, was er Lutz aber wohlweislich bis zum nächsten Morgen verschwieg. Die stickige Luft im Raum hielt uns nicht vom Schlafen ab, wohl aber die im zehn Minuten Takt hereinkommenden Wandergenossen, die jedes Mal laut und höflich fragten, ob es okay sei, das Licht anzumachen. Lutz wurde zu später Stunde noch einmal geweckt, als ein Wanderer auf die Idee kam im Dunkeln auf Gesichtshöhe zu erstasten, ob das Bett schon belegt war.
Das Frühstück am nächsten Morgen bestand aus einem hastig zwischen die Zähne geschobenen Energieriegel in aller Herrgottsfrüh. An diesem Tag galt es 3000 Höhenmeter zu bewältigen – jede Sekunde zählte.

Die ersten 500 Höhenmeter in Richtung Gipfel waren halb fahrend halb schiebend schnell geschafft, vorbei an Bergschafen und kleinen Schneefeldern.



Nun sahen wir mit Blick gen Himmel, dass die Zugspitze höher und steiler ist, als alle Berge die Jesper aus seiner Heimat Dänemark kannte.

An Fahren war nicht mehr zu denken, und so schulterten wir die Einräder und kämpften uns die letzten 500 Meter über ein steiles Geröllfeld und Klettersteige nach oben.




Kurioserweise stiegen die Zeichen von Zivilisation mit den Höhenmetern. Oben angekommen wussten wir warum. Wir erblickten hunderte unsportliche Gondelfahrer, die uns mit höchst intelligenten Kommentaren auf dem zubetonierten Gipfel beglückten. Schnell verließen wir das sichere Betonplateau wieder um die letzten Meter zum Gipfelkreuz zu bewältigen.


Ein frühes Mittagessen, ein kurzes Nickerchen mit Lutz als lebendem Windschutz für den Rest der Gruppe und schon ging es wieder abwärts. Selbst am Klettersteig waren einige Meter fahrbar. Neben dem Geröllfeld das wir vorher so mühsam erklommen hatten entdeckten wir ein Schneefeld auf dem man zwar kaum fahren, aber umso besser hinunter rutschen konnte. Vorbei an behelmten, in Seilschaften gehenden und ungläubig schauenden Wanderern ging es die nächsten Meter steil und schnell bergab.


Die restlichen 500 Höhenmeter zurück bis zur Knorrhuette bestanden aus gut befahrbaren Geröllwegen. Wir füllten unsere Wasserbeutel auf und entschieden uns den einfacher aussehenden Abstieg durch das Reintal zu nehmen. Dass dies nicht die beste Entscheidung des Tages war, merkte Lutz spätestens 30 Höhenmeter später, als er sich zu sehr auf die hohe Kunst des Wanderer-Grüßens konzentrierte und mit seinem Bauch voran in eine spitze Steingruppe fiel. Zum Glück trainieren 14 Jahre Einradfahren die Fallinstinkte und so trug nur das T-Shirt ernsthaften Schaden davon. Die nächsten 500 Höhenmeter führte der Weg durch ein ausgetrocknetes Wasserfallbett. Nur David fuhr unglaublicherweise mit seinem bremslosen Einrad den größten Teil der Strecke.
Der untere Teil wurde etwas leichter, trotzdem war die Strecke an der Grenze des gerade noch Fahrbaren. Mittlerweile konnten wir die Kommentare der Wanderer synchron mitsprechen.

Dreieinhalb Stunden nach Verlassen des Gipfels waren wir wieder auf 1300 Metern angekommen. Wir dachten damit wäre es getan. Und so fuhren wir motiviert an einem immer wilder werdenden Gebirgsbach durch das von Bergriesen gesäumte Reintal.


Zwei Stunden später taten wir dies immer noch, allerdings nicht mehr ganz so motiviert und mit weiteren Höhenmetern in den Beinen. Es fiel uns schwer, den malerischen Alpenweg zu genießen. Während die drei Jungs mit steigender Kilometerzahl immer weniger Kraft hatten, holte Steffi ihre versteckten Kraftreserven heraus, brachte sie damit an ihre Leistungsgrenze und fuhr trotz defekter Bremse wie von der Tarantel gestochen vornweg. Unverhofft fanden wir uns plötzlich in der romantischen Partnachklamm. Dieser entlang des Wildbaches in den Fels gehauene Weg entschädigte uns für die Strapazen der letzten 20 Kilometer.


Weil wir schon mal da waren, besichtigten wir noch schnell die Olympiaschanze in Garmisch-Partenkirchen.

Schon standen wir vor einer neuen Herausforderung. Wenn man von sich selbst behaupten möchte, dass man die Zugspitze überquert hat, dann sollte man nicht überrascht sein, wenn man am Ende an einem ganz anderen Ort und weit entfernt vom eigenen Auto wieder in der Zivilisation ankommt. Auf dem ersten Teil der Strecke probierten wir mal was Neues und legten ihn ganz kreativ auf unseren Einrädern zurück. Den zweiten Teil in Richtung Seefeld und zurück nach Österreich nahmen wir in einem Schienenersatzverkehr mit dem Kommentar des Fahrers, doch bitte die Schuhe anzulassen. Wir waren etwas zu langsam um den letzten Bus nach Leutasch noch zu erreichen. Steffi schlug selbstlos und ohne Scham vor die letzten 18 Kilometer ein Taxi zu nehmen, das wie gerufen neben dem Bus stand. Selbst David, der kurz zuvor zum ersten Mal in seinem Leben zugegeben hatte, dass es mit dem Einradfahren doch nun langsam genug sei, stimmte ohne lange überredet werden zu müssen zu. Und so kamen wir 36 Stunden später wieder an den Ort, an dem das Abenteuer begonnen hatte. Zum Glück hatten wir die Hälfte des Reiseproviants im Auto vergessen und konnten unsere ausgelaugten Körper mit einigen Kohlenhydraten versorgen.


Mit schmerzenden Oberschenkeln, aufgeriebenen Füssen und der ein oder anderen Schürfwunde, jedoch ohne gröbere Verletzungen und mit vor Stolz erhobenem Haupt machten wir uns in der Dämmerung auf zu unserem Basislager in Davids Villa.

 

Text: Stephanie Dietze und Lutz Eichholz

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2 Responses to Zugspitzen Überquerung

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