Free Solo Onsight Unicycle Alpencross

Während unserer Einrad Alpenüberquerung haben wir fleißig Tagebuch geschrieben. Die Reise führte uns von Füssen (Deutschland) bis Lana (Südtirol, Italien) und wir bewältigten in 7 Tagen 200km und knapp 10.000 Höhenmeter hoch als auch runter. Unseren nicht immer ganz ernst zunehmenden Bericht der Tour könnt ihr euch hier durchlesen. Presseberichte zur Tour gibt es u.a. bei der WAZ, dem Radio “Das Ding”, im SWR Radio so wie in vielen Zeitungen Österreichs.

Tag 0

Vor einem Alpencross sollte man gut frühstücken, um genug Energie für ca. 15.000 Berge zu haben. Steffi und David nahmen dies beim Wort und frühstückten schon einen Tag vor Beginn der Tour bei der Salzkammergut-Trophy mal eben 100 Munifahrer (Bergeinradfahrer) weg. Lutz hatte selbiges vor, musste sich aber mit 90 Fahrern begnügen – was er auf seine kurz vorm Start kaputt gegangene Bremse schob.

Die guten Platzierungen (David und Steffi 1., Lutz 7.) motivierten zwar ungemein, trotzdem ist es immer noch keine gute Idee vor einem Transalp seine Muskeln mit einem Einrad-Downhill-Rennen aufzuwärmen bzw. zu zerstören.

Um die verschiedenen Defekte nach dem Rennen zu beheben, spielten wir lustiges Einrad-Puzzles. Steffi bekam neue Pedale von Lutz, die an Davids Einrad montiert waren und ursprünglich Juri (dem Sohn von Olaf) gehörten. Auch bei den 17 anderen Kris Holm Einrädern, die bei David rumlagen, wurden munter Einzelteile getauscht. Da die Meinungen, welche Dinge  man unbedingt zur Reise mitnehmen sollte (Kondome?), sehr abweichend waren, fuhren wir erst um 17 Uhr von Davids Villa weg und kamen um 19 Uhr in Füssen an. Dies ist, wie viele wissen, die beste Zeit um einen Berg zu erklimmen, was bedeutet, 900 Höhenmeter zu gehen bevor es dunkel wird oder der Hüttenwirt schläft. Ersteres schafften wir locker (3 Sekunden bevor die Sonne unterging), letzteres mindestens 3 Sekunden zu spät.

Lutz nannte die Tour einen Spaziergang und freute sich über seinen wohltrainierten Körper, mit dem es ein Leichtes sein würde, die 15.000 Berge zu erklimmen. Im Bademantel machte uns der freundliche Hüttenwirt eine zwieblige Brotzeit. Lutz fühlte sich in seinen Klamotten noch so wohl, dass er vollmundig überlegte, sie bis Italien nicht zu wechseln.

Tag 1

Dieser Tag sollte der erste, etwas gemütlichere sein und zugleich auch der erste, an dem wir überlegten, doch den Zug zum Gardasee zu nehmen. Nach einem zünftigen Frühstück fuhren wir früh morgens die 700hm über einen technisch anspruchsvollen und landschaftlich reizvollen Weg bis zum von Japanern und Franzosen bevölkerten Schloss Neuschwanstein.

Hier merkten wir, wie ernst es David mit dem Asphalt meinte. Er wollte eine ca 2.5m breite Straße nicht überqueren, was dazu führte, dass Steffi und Lutz einem angenehmen Wanderweg hinauf zum nächsten Gipfel schossen, während David sein Einrad durch ein Bachbett tragen musste. Das dauerte gute 1.5 Stunden länger und riss das erste Loch in den Zeitplan. Trotzdem schlug sich David weiterhin 10. Meter unter uns am Hang durch die Büsche anstatt neben der Straße zu gehen. Hinab ging es einen Weg, der hauptsächlich aus großen Steinen bestand und der zeitweise einem Fluß Heimat gab. Hier konnten wir endlich zu dritt fahren und einen Mountainbiker hinter uns stehen lassen. Unten angekommen hatte David wieder ein Straßenproblem und trug sein Einrad durch die Büsche, während die anderen beiden dem auf David wartenden Journalisten ein Interview gaben und erklärten, warum er gleich aus dem Gebüsch springen würde.

Davids nächste Herausforderung war eine Betonbrücke über einem See. Lutz und Steffi fuhren schon mal vor, was ohne Karte und mit mäßigem Namensgedächnis keine gute Idee war. Nach einer halben Stunde Fahren in die falsche Richtung drehten sie um. David war inzwischen mitsamt seiner Ausrüstung durch den See geschwommen und hatte etwas Vorsprung. Nach 1km am Heiterwanger See entlang trafen wir David auf eine Gulaschsuppe, ließen uns den Weg erklären und starteten abermals ohne Karte. Ziel war die Gartner Alm. An einer Weggabelung führte ein Weg nach unten, der andere führte zum Gartner Joch. Die Entscheidung war schnell gefällt, mit letzter Kraft schoben und fuhren wir ca. 500 hm bis alle Wege im Nichts endeten. Innerhalb von 10 Minuten flogen wir den Weg wieder hinunter, trafen dort David und beschlossen um 21 Uhr, die richtigen 700hm nicht mehr anzutreten, sondern im Tal zu übernachten. Nach 13 Stunden Sport ca. 3800hm hoch und runter so wie ca. 60 gefahrenen Kilometern konnte David Steffi noch gerade überzeugen, nicht den nächsten Zug zu nehmen, indem er versprach die nächsten Etappen etwas menschenmöglicher zu gestalten. Wir spielten Dreier Schnick Schnack Schnuck (Regeln im Anhang), wer als erstes duschen durfte und Lutz wurde gezwungen seine Socken auf dem Balkon übernachten zu lassen. Die Oberschenkelmuskeln des ganzen Teams waren von Muskeltigern befallen, sodass Steffi entgegen ihrer Schlafgewohnheiten (auf dem Bauch) Seesternförmig auf dem Rücken nächtigen musste.

Tag 2

Regen. Regen. Regen. Regenhose (außer David), Regenjacke. 700hm hoch auf die Wolfratshausener Hütte über Wege, die zu Bächen geworden sind. Nur Lutz behielt dank seiner Adidas Outdoor Terrex Fast FM Mid GTX Schuhe noch trockene Füße, Schweiß nicht mitgerechnet. Oben am Berg, bis auf die Haut durchnässt, bei gefühlten -5° darf man keine Pausen machen, um nicht als Eis Ötzi zu enden. Lutz sang vergnügt „Es regnet, es regnet Steffi und David werden nass, ich sitze mit meiner Adidas Terrex Gore Tex Pro Shell Feather Jacket im Trockenen und habe viel Spaß“. David fuhr aus Asphalt-Gründen schon mal vor, Steffi und Lutz genoßen die schönste Abfahrt ihres bisherigen Einrad-Lebens und hielten immer wieder an, um schöne Fotos zu machen.

Unten angekommen trafen wir David an einer Autobahnraststätte und konnten gerade noch die nächsten Wegpunkte von ihm erfahren, bevor er mit Karte und Einrad wieder im Wald verschwand. Es regnete übrigens immer noch wie aus Kübeln. Wir fuhren schöne Radwanderwege über Fernpaß und Nässereith nach Strad, wo wir merkten, dass wir vor lauter Motivation schon zu weit gefahren waren. Also fuhren wir ein paar Mal im Zickzack, liefen über ein Feld, um Steffis Schuhe endgültig zu einem Aquarium zu machen und warteten im Gasthaus Dollinger Hof auf Jakob, Davids Journalisten Bruder. David suchte sich ein Abflussrohr, das unter der Bundesstraße durchführte. Dort schickten wir auch den Radio Journalisten vom ORF hin. Nach dem Interview setzten wir uns kurz in das trockene Auto von Jakob, schliefen mit Zauberstaub in den Augen ein und erwachten wie durch wie durch ein Wunder 25km weiter am Fuße des noch zu erklimmenden Berges auf. Um 19.15 Uhr kraxelten Lutz und Steffi hoch zur Armelenhütte auf 1800m. Unterwegs war besonders Steffi häufig oberhalb ihrer Leistungsgrenze, wies aber alle Angebote von Lutz, ihr etwas Gepäck abzunehmen, männlich zurück. Der Ausblick von der Hütte in den letzten Minuten Sonnenlicht, ein leckeres Weizenbier und die Tatsache, dass David unten im Tal in einem Baumhaus voll mit Ameisen übernachtete, machten die Anstrengungen schnell vergessen.

Tag 3

Steffi machte Lutz zum ersten mal beim Frühstückswettessen platt . Danach wurden Erkundigungen eingeholt, wann David, der es geschafft hatte ohne anwesend zu sein in unserer Hütte Hausverbot zu bekommen, eintreffen würde. Inzwischen hatte die Wirtin Lutz’ trocknende Unterhosen aus dem Gastraum entfernt und so warteten wir draußen neben dem Wäscheständer, bis unsere Ausrüstung wieder trocken war. Mit wehenden Unterhosen-Fahnen machten wir uns danach auf den Weg zur Gehsteig Alm wo ein biertrinkender Österreicher uns warnte, dass der Weg eventuell gesperrt sei. Da wir keine Karte hatten, gab es keine Alternative, wir fuhren über einen schönen sumpfigen Weg mit dünnen Baumstammbrücken, vorbei an einem Felsenmeer, wo Steffi beim Posen für ein Foto fast hineinfiel.Eine Stunde später parkte ein Ur-Österreicher fast auf unserem Füßen. Er musste uns irgendwie klarmachen, dass der Weg auf Grund eines Erdrutsches gesperrt war, wollte aber nicht gerne reden. Also schrieb er Grunzlaute machend auf einen Zettel „Weg gesperrt“ und pinnte diesen an einen Wegweiser. Da wir auf der Hinfahrt den mächtigen Erdrutsch schon erspäht hatten, kehrten wir um. Auf dem Rückweg trafen wir David, der sich natürlich von einem Erdrutsch nicht aufhalten lies (Erde=kein Asphalt). Lutz & Steffi flitzen zurück ins Tal. Dort angekommen ging es wie von Zauberhand in den nächsten Supermarkt, der wie aus einer anderen Welt schien. Von dort machten wir uns an den Anstieg zu unserer nächsten Hütte. Dank einer Touristenwanderkarte dachten wir, dass das Finden dieses Mal ein Kinderspiel sein würde, an einer Weggabelung wussten wir aber trotzdem nicht weiter und wollten gerade eine zufällige Richtung einschlagen als wir durch Zufall Jakobs Auto hinter uns und vor unserer Hütte stehen sahen. Die Hütte hatte leider einen Namen, der in der Nähe von Sölden oft verwendet wird (Stadleralm), so dass David die falsche erwischte und unsere Einräder die Nacht wieder getrennt verbringen mussten.

Tag 4

Da uns der zottelige Waldschrat-Österreicher doch langsam fehlte, beschlossen wir einen großen Kreis zu fahren, damit er Gelegenheit hatte uns einzuholen. Die Runde bestand aus einem 300hm hohen Anstieg, drei Almen mit dem gleichen Namen, einer dauerhaften wunderschönen Aussicht und einer perfekten Abfahrt über Singletrails zurück ins 700hm tiefer liegende Tal. Dort angekommen bekamen wir endlich die Koordinaten für das nächste Ziel geschickt und schoben unsere Räder vorbei an very excited Amerikanern auf die dritte Hütte Namens „Stadelealm“. Dort aßen wir mit viel Ruhe leckeres österreichisches Essen und beschlossen, David mindestens bis Italien zu begleiten und schon mal Richtung Timmeljoch aufzubrechen, obwohl noch nichts von David zu sehen war. Hoch oben in den Bergen bei perfekten Wetter verfuhren wir uns mal wieder bzw. der Weg war nicht mehr vorhanden. So fuhren wir gezwungenermaßen ins Tal während sich David durch die Wälder schlug. Wir nutzten aufgrund der fortgeschrittenen Tageszeigt stattdessen eine Sommeraufstiegshilfe zum Timmelsjoch, was im Anbetracht der Tatsache, dass sich David wiedermal gut verschätzt hatte, eine gute Idee war. Wir sahen ihm zu wie er sehr müde sein Einrad unter einer Asphalt-Brücke neben einem Fluss hindurch trug und begleitenden ihn ein Stück wheelwalkenden, um zu demonstrieren wie viel Kraft wir noch hatten. Die Nacht verbrachten wir in einem gruseligen Gasthof in Italien, der schneller da war, als gedacht. David erreichte das Ziel erst um 23 Uhr als wir dank geöffneten Fenster schon selig schlummerten. Im Gegensatz zu ihm träumten wir nicht von roten Kuhaugen.

Tag 5

David versprach eine lockere 6-7 Stunden Etappe, deren einzige Herausforderung die 1000hm zum Rauhen Joch sein sollten. Frohen Mutes fuhren wir 300hm hinunter, vorbei am filmenden Jakob. Noch wussten wir nicht das wir Jakob so schnell nicht wiedersehen würden. Danach ging es erstmal drei Stunden bergauf, vorbei an Murmeltieren, knietiefen Matschlöchern und über bzw. durch reißende Gebirgsbäche. Lutz lernte wie man Kühe mit lauten Gebrüll und drohenden Gebärden vom Weg verjagt. Die Luft wurde dünner, der Regen dichter und das Atmen schwerer. Kurz darauf wurde der Regen zu Schnee und wir erreichten die Steingrenze. Endlich waren Höhen für Männer erreicht. Die nächste halbe Stunde ging es an einem auf der einen Seite 1000m und auf der anderen Seite 300m abfallenden Grad entlang. Zum Glück war die Sicht auf fünf Meter beschränkt und wir sahen nicht welche grauenvoller Tod ein falsche Schritt uns bescheren würde.

Nachdem wir wieder in sichererem Gelände waren schätzten David den Rest der Tour auf 2 bis 3 Stunden ein, was sich als etwas zu optimistisch bzw. total falsch erweisen sollte. Es ging recht eben vorran. Als David fröhlich auf den Berg in der Ferne, der das Ziel sein sollte, zeigte, waren wir plötzlich doch bereit 200hm hinabzusteigen, um uns in einer Hütte mit einer deftigen Brotzeit, Milch und dem Resten vom Nebentisch zu stärken.

Für eine realistischere Einschätzung fragten wir den Hüttenwirt noch einmal wie weit der Weg noch wäre. Mit ruhiger Stimme antwortete er „Vier Stunden über Schneefelder und durch Regen sowie Schnee“. Nachdem wir endlich genauer wussten wie lange es wohl noch dauern würde, überlegte Steffi aufzugeben da man total erschöpft nach 10 Stunden Wandern nicht mehr auf knapp 3000hm herumkraxeln sollte. Leider gab es keine Alternative. So raffte Steffi ihre letzten Kräfte zusammen, lies ihren Stolz zurück und hängte ihr Einrad („unhandliches Gerät”) zeitweise an den Adidas Outdoor Terrex 35l Rucksack von Lutz. Zwischendurch erfuhren wir noch, dass Jakob die 500hm vom Parkplatz, mit dem für uns nötigen Proviant (Wassermelone, Ersatzeinrad, Steine) nicht schaffen und auf 2200hm nächtigen würde. Mit lustigen Geschichten über Felix hielt sich die Gruppe bei Laune. Nach 2 Stunden schätzte David die Restzeit auf 30 Minuten und setzte sofort zum Endspurt an, aus Angst, Lutz’ Drohungen, ihm wegen der ständigen Fehlplanungen eine Ohrfeige zu verpassen, könnte war werden. Steffi ärgerte sich dass sie nicht so dreckig Schimpfen konnte wie Amerikaner und verfluchte David sehr süß auf Deutsch. Aber immerhin laut genug, so das David kehrtmachte und ihr Einrad ein Stück nach oben schob. In einem Schneesturm und bei letzten Tageslicht erreichten wir die Stettiner Hütte am Eisjöchl auf 2870m. Mit letzter Kraft trank Lutz sein tägliches Weizenbier und drei riesige Kaiserschmarren landeten in unserem Bäuchen.

Tag 6

Der erste Gang führte uns nicht in den Frühstückssaal, sondern in den nach Rosen riechenden Trockenraum. Dort stellten wir mit Entsetzen fest, dass all unsere Kleidung noch nass und eisig war. Auch nach drei Ladungen Müsli war sie noch nicht trocken. So zogen wir die kaltnasse Kleidung in Windeseile an und ab da hieß es Tempo, Tempo, Tempo um nicht an Ort und Stelle einzufrieren.Sämtliche Hüttenbewohner standen dick eingepackt vor der Tür um zu sehen, wie wir den verschneiten Wanderweg bezwangen. Zum Glück ging es ersteinmal 30hm hinauf, so wurden unsere Muskeln und Körper etwas wärmer. Die wilde Abfahrt über Schneefelder klappte erstaunlich gut. Leider war Lutz Bremse nicht winterfest und er musste seine Beinmuskeln etwas mehr anstrengen. Vor dem mächtigen Panorama machten wir einige Selbstauslöser-Fotos bevor wir nach knapp 300hm den dick eingepackten Jakob mit Mountainbike und Kamera trafen. Zum Glück waren wir schon gut aufgewärmt und so konnte das Filmen im ewigen Eis beginnen. Wartezeiten für den Kameraaufbau wurden tänzelnd überbrückt. Vor lauter Unterforderungen kletterten David und Lutz auf einen kleinen Berg um für die Kamera herunterzufahren. Lutz zerbretzelte sich auf den mächtigen Steinen. Er kugelte wie eine Spinne, die Angst hat Arme und Beine zu verknoten den Berg hinunter. Beim dritten Versuch klappte es aber mehr oder weniger und nach kurzem Durchzählen konnten wir feststellen das alle Arme und Beine noch dran waren. Da selbst Tänze nicht mehr warmhielten, machten wir uns an die Abfahrt zur Jausenstation Eishof und löffelten die früheste Knödelsuppe der Reise. David wollte sich einen Vorsprung verschaffen und fuhr schon einmal los. Am Parkplatz verstreuten wir all unser Hab und Gut in der Sonne und montierten Lutz eine Ersatzbremse. Jakob fuhr gekonnt in einen Zaun und alle Kühe hauten ab.

Nachdem er davongefahren war, machten wir uns auf, um die letzten 1000 hm hinab ins Tal zu bewältigen. Dies erwies sich als sehr kniebelastend, da Steffis Bremse all ihr Öl ausspuckte. So wurden alle halbe Stunde Räder gewechselt, was aber auch nicht viel half da Lutz’ Einrad so eine dolle Acht hatte, dass man sich wieder eine halbe Stunde an das lustige Ruckeln der Bremse gewöhnen musste. Trotzdem konnten wir den malerischen Weg vorbei an Reinhold Messners Schloß, Restaurant, Wurstfabrik und Kosmetik Linie sehr genießen. Im Tal angekommen merkten wir, dass Lutz sein Handy auf der Hütte im ewigen Eis liegengelassen hatte. Der Schmerz wurde aber schnell mit einem Marillenknödel, der wahrscheinlich von Messner persönlich mit viel Liebe und fröhlich pfeifend geformt worden war, gelindert. Per SMS erfuhren wir, dass David sich in dem Wirrwar aus Asphaltwegen fast zu Tode gestürzt hatte. So machten wir uns nach langem Warten an den Aufstieg zurück auf den Sonnenberg und nicht wie geplant auf den gegenüberliegenden Berg. Weil wir noch so viel Energie übrig hatten, gingen wir den Wanderweg in die falsche Richtung nach oben, rannten ihn dann wieder hinunter und sprangen wie echte Motorcrossläufer auf jeden Stein, der sich zum Wallride anbot. Zum ersten mal war David vor uns auf der Alm und erwartete uns frisch geduscht und kurz vor dem K.O. Während Jakob seine Akkus und Speicherkarten versorgte, gingen wir bergsteigerzeitig ins Bett.

Tag 7

Frisch und munter wachten die meisten der Reisenden auf. David nicht. Er sah aus wie ein zerquetschter Almötzi und man sah ihm schon auf 10km Entfernung an, dass er nicht nur einen Asphalt-Umweg gefahren war. Aus diesem Grund legte er sich nach dem Frühstück auch sofort wieder ins Bett und schlief wie eine Leiche. Wir nutzten die Zeit bis zum Start der heutige Etappe um staunend auf der Karte unserere zurückgelegten Höhenmeter und Kilometer einzuzeichnen. Unglaublich musterten wir unsere trotz der strapaziösen Reise fast unversehrten Körper. Selbst David hatte kaum Kratzer, zumindest nicht ab oberkannte Bettdecke. Unseren Einrädern ging es schlechter. Alle Bremsbacken waren fast komplett abgeschliffen und Lutz fehlte eine Speiche, die er jedoch geschwind ersetzte. Die ersten Kilometer fuhren wir auf einen schönen Höhenweg an der Klippe entlang mit Blick auf Naturns und ausnahmsweise mit David zusammen. An einer Alm mit hässlichem Hühnern mit braunen verschrumpelten Köpfen und Asphaltstraße trennten sich unsere Wege wieder. Während David sein Einrad eine felsige Bachrinne hinuntertrug flitzten wir den am Vorabend noch als unmöglich eingestuften Wanderweg hinunter. Gerade an Steffis makellosem Fahrstil sah man, dass sie auf der Tour schon viel gelernt hatte. Es blieb ihr auch nichts anderes übrig, da sie von David und Lutz über jeden Trail gejagt wurde wie man ein Kleinkind üblicherweise ins Wasser wirft, damit es schnell Schwimmen lernt. Nach 1000hm, die Gentlemen Lutz auf Steffis Einrad mit dessen kaputter Bremse fuhr, reichte es uns auch mit Downhill, da die Knie schmerzten. Durch Apfelplantagen fuhren wir fröhlich schmatzend zum gegenüberliegenden Berg, wo die letzten 1400hm Anstieg der Reise auf uns warteten. Wir merkten, dass es auch nach sieben Tagen noch anstrengend war, Wanderwege zu laufen, die senkrecht den Berg hinauf führen. Auch am siebten Tag kann glücklicherweise eine Portion Spinatknödel und eine große frische Milch noch größere Wunder wirken als die meisten Energieriegel. Durch unser flottes Tempo schafften wir einen neuen Rekord und erreichten die Alm schon um 19 Uhr. Der Koch wollte bald Feierabend machen also aßen wir direkt nochmal und tranken ein leckeres Weizenbier auf die letzten 10.000 Höhenmeter. Laut Jakob war uns David dicht auf den Fersen, was, wenn man Weichenberger-Sprache übersetzt bedeutet, dass er noch fünf Stunden brauchte. Schnell organisierten wir noch eine Liftfahrt für Jakob, der nicht vor 23 Uhr eintreffen würde. Was tun mit so viel Zeit und Energie? Wir schauten den schönsten Berg-Sonnenunterngang an, gingen in die kleine Bergkirche und dann zufrieden ins Bett.

Tag 8

Vorm Weckerklingeln wachten wir vor einen grandiosen Bergpanorama auf. Lutz ging hinüber ins das Weichenberger-Zimmer, um lebenden Wecker zu spielen, da Steffis feine Damennase den Geruch nicht ertragen hätte. David sah noch zerkrumpelter aus als am Tag davor und wir freuten uns, dass wir Asphalt zwar mieden, aber nicht wie der Teufel das Weihwasser scheuten. Heute wollten wir die Rückfahrt in die Zivilisation antreten, da mit Kein-Asphalt-David ist ein Füssen-Gardasee-Alpencross in zehn Tagen nicht möglich ist, Steffi familiäre und Lutz Adidas Verpflichtungen hatte. Ohne Schoner und frei wie Vögel mit einem 10kg Rucksack auf dem Rücken rasten wir zum Bahnhof in Lana, genossen das italienische Flair und traten mit einem Eins in der Hand die Heim- bzw. Weiterreise an.

Die Moral von der Geschicht’:

  1. Lasse nie einen Verrückten deine Tour Planen
  2. Wanderkarten sind hilfreich
  3. Muskelkater gehen ohne Schonen wieder weg
  4. Man kann 13 Stunden am Tag Sport machen
  5. Muss aber nicht jeden Tag sein
  6. David kann sogar jeden Tag 14 Stunden Sport machen
  7. Lutz riecht gut, auch nach acht Tagen Sport im gleichen T Shirt
  8. Melonen sind kein handliches Obst
  9. Ein Fahrrad bringt dem ungeübten Fahrer auf knapp 3000hm wenig
  10. Knödel sind lecker
  11. Bei Minusgerade kann ein Kameraman gar nicht schnell genug sein
  12. Asphaltstraßen sind hilfreich selbst für diese die sie meiden (Begleitfahrzeug)
  13. Man sollte sein Handy nicht auf 2900hm im ewigen Eis vergessen wenn man danach noch drei Wochen reisen muss
  14. Irgendwann ist es auch genug

Text: Stephanie Dietze und Lutz Eichholz

Unsere Routen könnt ihr auf komoot ansehen:

This entry was posted in Allgemein. Bookmark the permalink.

One Response to Free Solo Onsight Unicycle Alpencross

  1. Ich hätte nicht gedacht, dass man mit einem Einrad im unebenen Gelände fahren kann, geschweige denn eine Transalp überstehen kann. Selbst mit einem Mountainbike ist ein Alpencross schon eine gewisse Herausforderung. Also Respekt vor eurer Leistung.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

*

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>